Freitag, 27. Februar 2026

Rückblick: Drei Tage polnische Filmkunst – cinéPolska 2026 im KoKi Freiburg

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Ciné-Polska-2026 (c) Foto: Julian Rzepa


 

Drei intensive Festivaltage voller Film, Austausch und Begegnung haben von 6. bis 8. Februar 2026 mit fast 900 Besucher*innen gezeigt: cinéPolska war weit mehr als eine Filmreihe – es war ein lebendiger Raum für Dialog, Erinnerung und gesellschaftliche Reflexion. Mit einem vielfältigen Programm aus Filmvorführungen, Diskussionen, Workshops und Ausstellung gelang es dem Festival, ein breites Publikum anzusprechen und Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe zusammenzubringen. Alle waren von der gemeinsamen Idee beseelt, polnische Kultur hautnah zu erleben.

Im Mittelpunkt standen zentrale Themen unserer Gegenwart: Frauenrechte, Gleichberechtigung, Migration, Identität und Demokratie. Die ausgewählten Werke spannten dabei einen eindrucksvollen Bogen von der polnischen Geschichte bis zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten.

Der Festivalauftakt würdigte das Lebenswerk des großen Regisseurs Andrzej Wajda. Sein Klassiker DAS GELOBTE LAND eröffnete das Programm mit einem kraftvollen Gesellschaftspanorama über Moral, Macht und wirtschaftlichen Aufstieg. Die begleitende Ausstellung polnischer Filmplakate zu Wajdas Filmwerken schuf einen eindrucksvollen visuellen Rahmen. Musikalisch begleitet führte Andrzej Kałuża die Gäste in die Welt von Wajdas Filmen und in die Geschichte der polnischen Kinematographie ein. Einen starken zeitgenössischen Akzent setzte anschließend IMAGO von Olga Chajdas – ein intensives Porträt weiblicher Selbstbestimmung in den Umbruchszeiten der 1980er-Jahre. Die Eröffnungsfeier war zweifellos eines der Highlights des Festivals.

Der Samstag stand ganz im Zeichen weiblicher Perspektiven, Erinnerung und feministischer Diskurse. Panels, Dokumentarfilme und Gespräche beleuchteten den polnischen und deutschen Feminismus, seine aktuellen Herausforderungen sowie die Rolle von Frauen in Wissenschaft, Sport und politischem Widerstand. Besonders die Dokumentation über die Frauen der Solidarność-Bewegung eröffnete vielen Besucher*innen neue historische Perspektiven und regte lebhafte Diskussionen an. Das Gespräch mit den beiden Filmemacher*innen Marta Dzido und Piotr Śliwowski war ein weiteres Highlight des Festivals.

Am Sonntag zeigte sich die programmatische Bandbreite des Festivals: von einem Kinderfilm mit kreativem Workshop über die persönliche Dokumentation des nach Polen eingewanderten indischen Regisseurs Arjun Talwar bis hin zum künstlerischen Höhepunkt: dem Biopic FRANZ K. von Agnieszka Holland über Franz Kafka. Der Film bildete mit seiner poetischen Bildsprache und existenziellen Tiefe einen würdigen Abschluss.

Ein besonderes Merkmal des Festivals war sein partizipativer und inklusiver Charakter. Dreisprachige Moderationen, Simultanübersetzungen, Feedbackrunden sowie Workshops ermöglichten aktive Beteiligung und machten das Festival zu einem Ort des gemeinsamen Lernens und Austauschs. So bleibt cinéPolska 2026 vor allem als ein Festival in Erinnerung, das Filmkunst mit gesellschaftlichem Engagement verband. Es hat gezeigt, wie Kultur Brücken schlagen, kritisches Denken fördern und demokratische Werte erlebbar machen kann – und damit einen nachhaltigen Impuls für den kulturellen Dialog in Freiburg gesetzt.

Aleksandra Pojda de Pérez, Verein Polki Solidarnie – Polnische Frauen Solidarisch e.V.

Das Festival in Zahlen:
Filmschaffende zu Gast: 6
Einführungen zu den Filmen: 7
Festivalbesucher*innen: 673
Ausstellungsbesucher*innen: 200

Eintrag vom: 26.02.2026