(c) mitwelt.org
Der US-geführte Angriff auf Afghanistan begann am 7. Oktober 2001. Auch 25 Jahre nach dem verlorenen Krieg in Afghanistan gibt es kein öffentliches Interesse an der Frage, ob der Krieg Deutschland 17,3 Milliarden Euro (Regierung) oder bis zu 47 Milliarden Euro (DIW und ZDF) gekostet hat. Auch der von mir 2021 angefragte Bundesrechnungshof konnte diese enorme Differenz nicht auflösen.
Der Bundesrechnungshof erklärte mir 2021: "Eine allgemeingültige Definition von „Einsatzkosten“ besteht nicht." Die Kosten seien davon abhängig, "welche Ausgaben aus dem Bundeshaushalt der Afghanistan-Einsatz unmittelbar oder auch nur mittelbar verursacht hat." Und weiter: "Vor diesem Hintergrund kann ich Ihnen keine allgemein akzeptierte Zahl zu den Kosten des Afghanistan-Einsatzes nennen."
Damit bleibt selbst 25 Jahre nach Kriegsbeginn die einfache Frage offen: Was hat dieser Krieg Deutschland tatsächlich gekostet? 17,3 oder 47 Milliarden Euro – ein Unterschied von rund 30 Milliarden Euro.
Eines der erstaunlichsten und erschreckendsten Phänomen dieses Krieges war und ist das geringe öffentliche Interesse am Krieg, seinen Opfern, Folgen, Menschenrechtsverletzungen und an den Kosten.
Laut dem Costs of War Project der Brown University hat der gesamte „Krieg gegen den Terror“, bei dem der Afghanistankrieg nur ein Teil war, seit dem Jahr 2001 schätzungsweise über 940.000 direkte Todesopfer und insgesamt bis zu 4,7 Millionen Tote gefordert. Auch die Frage nach den Menschen und Konzernen, die an diesem stark privatisierten Krieg viel Geld verdient haben, wird kaum gestellt.
20 teure afghanische Kriegsjahre lang wurde uns erzählt, die Menschen in diesem geschundenen Land stünden mehrheitlich hinter der den westlichen Besatzungstruppen und der von uns eingesetzten korrupten Regierung Karzai. Dann wurden unsere hochgerüsteten westlichen Armeen in wenigen Tagen verjagt. Afghanistan war das deutsche Vietnam.
Der Bundesrechnungshof und die fehlende Gesamtsumme
2021 wandte ich mich als ehemaliger Kreisrat an den damaligen Präsidenten des Bundesrechnungshofs, Kay Scheller, und bat um eine Klärung der unterschiedlichen Kostenangaben. Die Antwort machte deutlich, warum eine eindeutige Summe nicht genannt werden kann: Der Bundesrechnungshof verwies auf die komplexe Ermittlung der Kosten und darauf, dass eine allgemeingültige Definition von "Einsatzkosten" fehle.
Gleichzeitig erklärte der Rechnungshof: "Die Ausgaben für Auslandseinsätze sind in jedem Jahr Gegenstand der Verhandlungen über den Bundeshaushalt." Er unterstütze die politischen Entscheidungsträger dabei mit den Erkenntnissen aus seinen Prüfungen der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes.
Es gibt es bis heute keine allgemein akzeptierte Zahl für die tatsächlichen deutschen Gesamtkosten des Afghanistan-Krieges. 25 Jahre nach Kriegsbeginn wäre es Aufgabe der letzten Qualitätsmedien, der "vierten, kontrollierenden Gewalt", diese Kostenfrage gründlich zu recherchieren. Das öffentliche Interesse ist erschreckend gering.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
Weitere Informationen





