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USA 2025 | Gerichtsdrama, Biopic | Ab 12 Jahren | 149 Minuten
Regie: James Vanderbilt
Darsteller: Russell Crowe, Rami Malek, Michael Shannon, Richard E. Grant, Leo Woodall
Seit THE ZONE OF INTEREST verzeichnen hochkarätige Filme über Nazigrößen und ihre Verbrechen Hochkonjunktur. James Vanderbilt schwenkt nun von der Banalität zur Faszination des Bösen, nimmt Hitlers zweiten Mann, Hermann Göring, während des Nürnberger Prozesses in einem intensiven Psychoduell zwischen Russell Crowe und Rami Malek ins Visier. Dabei erzählt er auch vom ersten Mal in der neueren Geschichte, dass führende Staatsrepräsentanten international zur Verantwortung gezogen werden.
Hermann Göring (Russell Crowe) wird von den Alliierten verhaftet und soll als ranghöchster noch verbliebener Nazi zusammen mit 23 weiteren Funktionären für die unfassbaren Taten des NS-Regimes zur Rechenschaft gezogen werden. Der Psychiater Dr. Kelley (Rami Malek) wird beauftragt, alle Angeklagten auf ihre Prozessfähigkeit hin zu untersuchen. Schon bald ist er vom Scharfsinn und Charisma Görings eingenommen. Um dessen Vertrauen zu gewinnen, überschreitet der Doktor moralische Grenzen – und gefährdet sogar den Nürnberger Prozess… Tatsächlich wurde der amerikanische Militärpsychiater Douglas M. Kelley nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Nürnberg kommandiert, um vor dem Prozess die geistige Verfassung der Angeklagten, Göring an der Spitze, zu beurteilen. Besonders dieser Reichsmarschall weckte Kelleys Interesse. Immer wieder besuchte er den grausamen Menschheitsverbrecher – der sich noch seiner Strafe entzog, indem er sich in der Nacht vor seiner Hinrichtung durch eine Zyankali-Kapsel selbst tötete – in dessen winziger Zelle. Kelley nutzte seine Aufzeichnungen, um 1947 sein Buch „22 Cells In Nuremberg“ zu veröffentlichen. 1958 nahm auch der Psychiater sich das Leben – ebenfalls mit Zyankali. Weitere 50 Jahre später begann US-Journalist Jack El-Hai über das Verhältnis zwischen Göring und Kelley zu forschen. Sein Sachbuch „Der Nazi und der Psychiater“ bildete die Vorlage für James Vanderbilts fesselndes NS- und Justizdrama. Der Filmemacher, der seine Hollywood-Karriere als gefeierter Drehbuchautor (ZODIAC) beschritt und nun auch für seine zweite Regiearbeit NUREMBERG das Skript selbst schrieb, geht es fraglos um das nervenzerreißende Psychoduell zwischen Göring und Kelley – aber auch um den historischen Kontext. Die eingestreuten Archivaufnahmen aus den Konzentrationslagern stellen dies unmissverständlich klar: Schwer zu ertragen reißen sie Figur und Publikum aus jeder trügerischen Distanz und erzählen unbeschönigt vom nicht zu leugnenden Ausmaß der Nazi-Gräueltaten. Schauspielschwergewicht Russell Crowe (GLADIATOR, A BEAUTIFUL MIND) liefert eine eindringliche Darstellung Görings, verkörpert dessen diabolische Tücke mit erschreckender Brillanz – manipulativ, eitel und schockierend charmant. Rami Malek (BOHEMIAN RHAPSODY, OPPENHEIMER) ist das vermeintliche moralische Gegengewicht: ein Mann, der glaubt, das Böse rational fassen zu können – und dabei selbst ins Wanken gerät. Wenn Crowes Göring lächelt, ja gar Sympathie ausstrahlt, meint man für einen Moment sogar zu verstehen, warum.
Läuft in der Harmonie Freiburg





